Zu Beginn sei hier, ganz ohne zu werten, festgestellt, was ohnehin bekannt ist: Handyverkäufer wird nur, wer Hauptschüler war. Der Umstieg von der Hauptschule in einen Handyladen fällt leicht: Das Ambiente ist schöner, man selbst endlich wichtig, und, ganz klar, man wird gesiezt. Gerade flügge wird also als Verkäufer in einen Handyladen gestellt, was einem noch gestern in der Straßenbahn, in Ermangelung eines Ghettoblasters, mit dem MP3-Handy auf die Nerven ging.
Heute musste auch ich mich wieder mit einem solchen Primaten degenerierten Exemplar Mensch abgeben. Wie bereits erwähnt, erhielt ich gestern das M600i,
ein Business Handy für meinen anstehend Businesstrip ins Businessland
der allseits beliebten Kriegstreiber. Um das Handy und mich auf diesen
Trip vorzubereiten, wollte ich die Menüsprache auf Englishch ändern.
Doch siehe da: Nur British English und Deutsch sind auf dem Telefon
installiert.
Also schnell die US-Amerikanische Sprachdatei von sonyericsson.com heruntergeladen, aufs Handy geschoben und installiert. Doch siehe da: Die Installation meldet, die gesamte Handysoftware müsse für die Sprachänderung geupdatet werden. Gesagt, getan: Update-Software von Sony Ericsson heruntergeladen und das Update ordnungsgemäß durchgeführt. Fast jedenfalls. Kurz vor Beendigung trat ein Fehler auf, der das Handy in einem äußerst ungemütlichen Zustand hinterließ: Es lässt sich weder updaten, noch einschalten noch irgendwas. Das geht auch anderen so. So kam es also, dass ich mich gezwungen sah, einen Handyverkäufer aufzusuchen.
Gut gelaunt und zuversichtlich betrat ich den gedrungenen, glänzenden, stickigen und heißen, aber doch gut ausgeleuchteten, Vodafone-Shop in der Augsburger Annastraße. Vor mir warteten zwei Damen, von denen eine Blind war. Deshalb konnte Sie nicht sehen, wie, tiefer im Ladeninneren, ein ziemlich kantenloses und glattgelecktes kleines Strahlemännchen im C&A-Anzug, aus dem sich stolz ein rosa Hemdkragen reckte, sein sehr dürftiges Katalogwissen über die neuesten Handymodelle an eine interessierte 14jährige weitergab. Die Gier seitens des Handyverkäufers, die eher privater Natur war, konnte musste die blinde Dame vor mir gottseidank genausowenig mit ansehen, wie die Frisur des Handyverkäufers, die, wenn auch etwas unbeholfen, den Unisexhaarschnitten nachempfunden war, die man auf Drittliga-Fussballplätzen des öfteren beobachten kann.
Als ich schließlich an der Reihe war, und mein Problem vortrug, musste ich mir zuerst anhören, dass man nunmal nicht an der Handysoftware herumspiele, es sei doch kein Wunder, wenn dann nichts mehr funktioniert. Dass hier ein Neukunde vor ihm stand, der nicht etwa versucht hat, sich den neuesten Jambaklingelton zu installieren, sondern streng nach Anleitung die zum Betrieb des Telefons notwendigen Schritte durchgeführt hat, das war nicht in sein kleines Reptilienhirn zu kriegen. Auf meine Frage, ob denn nicht ein Techniker das Handy schnell neu flashen könnte, sah er mich entgeistert an, und teite mir mit, dass die Vodafone-Filialen in Augsburg keine Technik hätten: Das Gerät müsse eingeschickt werden.
Die Techniker von allen Service-Centern, die mir die Sony-Ericsson-Hotline genannt hat, haben schon Feierabend/sind morgen wieder da/sind gerade nicht am Platz/müssen das Handy einschicken.
Fazit: Scheiss' auf den Barkeeper, ab zur Aral rüber!
Prost Mahlzeit, ich flieg' nach Kalifornien...
[Disclaimer: Gerade eben habe ich meine persönliche Meinung geäussert! Bitte nicht verklagen, hihi...]
